Friedrich Prinz
Friedrich Prinz

Langjähriger HBV-Landestrainer unerwartet verstorben.

Der Hessische Basketballverband trauert mit den Angehörigen um Friedrich Prinz, der am 4. Dezember 2019 in Frankfurt am Main im Alter von 83 Jahren plötzlich verstarb. Als erster hauptamtlicher Landestrainer des HBV setzte er im Jugendbasketball Maßstäbe, die noch heute anerkannte Eckpfeiler sind. Er war in der Lage zu fördern und zu fordern. Dies galt sowohl für seine Spielerinnen und Spieler als auch für die Trainerinnen und Trainer, die er in die Kaderarbeit einband und mit ihren Aufgaben wachsen ließ. Oft hört man die Rückmeldung: „Meine Entwicklung habe ich Friedrich Prinz zu verdanken, aber nicht nur basketballspezifisch, er ist auch als Mensch ein Vorbild. Er kann sich in andere hineinversetzen und hat Strahlkraft!“


Rückblick
Am 25. Januar 1936 wurde in einem deutschen Dorf in Banat im Westen von Rumänien ein kleiner Prinz geboren. Seine Eltern gaben ihrem dritten von fünf Kindern den Namen Friedrich und legten bereits in den frühen Jahren den Grundstock für eine umfassende Ausbildung, die er 1958 als Jahrgangsbester mit einem Diplom als Grundschullehrer und Diplomsportlehrer mit Schwerpunkt Sportspiele/Basketball abschloss. Zunächst arbeitete er für zwei Jahre am größten Gymnasium in Temeschburg – einer Stadt mit 360.000 Einwohnern – und wechselte dann als Lehrkraft an die Sporthochschule, wo er sich vom Assistenten zum Professor hocharbeitete und leitender Direktor der Sporthochschule wurde.

 

Schwerpunktmäßig widmete er sich in Lehre und Forschung der Trainingswissenschaft, der Sportdidaktik und dem Basketball. Zu Themen aus diesen Bereichen veröffentlichte Friedrich Prinz 70 wissenschaftliche Arbeiten und 12 Bücher, er hielt Vorträge auf internationalen Sportkongressen mit Teilnehmern aus der ganzen Welt. Ein starkes Engagement im Ehrenamt war für ihn selbstverständlich, denn man kann nach seiner Lebensauffassung vom Sport nicht nur nehmen, sondern muss auch etwas geben und Mitmenschen das Sporttreiben ermöglichen. Seine wesentlichen Stationen: Vizepräsident des Studentensportklubs „Universitatea“, Mitglied des Landessportbundes Timis, Vorsitzender der Kommission für zweite Staatsexamen in vier Regionen („Bundesländern“) und Berater des Stellvertreters des rumänischen Ministers für Kultus und Sport. Langjährige Trainingsarbeit leistete Friedrich Prinz als Cheftrainer beim Studentensportklub „Universitatea Temeschburg“ in der ersten rumänischen Liga und als Co-Trainer in zahlreichen Studentenauswahlmannschaften mit dem Höhepunkt der Universiade in Turin. Als Delegationsleiter führten ihn Europapokalwettbewerbe nach Belgrad und Leipzig, bis hin zum Endspiel. Aufgrund seiner Vielseitigkeit konzentrierte er sich aber nicht ausschließlich auf die Sportart Basketball, sondern auch auf Handball und Volleyball. Als aktiver Spieler bereicherte er das Spielgeschehen in Zweitliga-Mannschaften sowohl im Basketball als auch im Volleyball. Im Rasenhockey kam er zweimal als Spieler zu Meisterehren in Rumänien. 1982 siedelte Friedrich Prinz nach Deutschland aus, wo seit 1980 sein Vater und seine Schwester lebten. Wenige Monate vor seiner Ankunft in Deutschland verstarb sein Vater.

 

Fast quälend für ihn waren die zwei Jahre bis zu seinem beruflichen Neustart beim Hessischen Basketballverband im Herbst 1984. Der damalige HBV-Präsident Jochen Kühl hatte irgendwie Wind davon bekommen, dass ein hochqualifizierter Mann sich nach Arbeit mit jungen Talenten im Sport sehnt und man auch irgendwie über eine ABM-Maßnahme mit dem vorläufigen Arbeitsgebiet Breitensport einsteigen könne. Es kam bei herrlichem Wetter im Biergarten der Jahnstuben auf dem Sportcampus in der Otto-Fleck-Schneise in Frankfurt zu einem Treffen von Präsident Jochen Kühl, Lehr- und Trainerwart Charlie Brisach und Landesjugendwart Manfred Engel mit Friedrich Prinz. Das Resultat aus diesem Gespräch war eine Hausaufgabe für Friedrich Prinz: erst einmal ohne Bezahlung ein Konzept für die Arbeit im HBV zu erarbeiten, dann vorzustellen und auch schon praktische Trainingsarbeit zu
leisten.

 

Dann folgten bis zum Ruhestand am 1.Februar 1999 äußerst ergiebige 15 Arbeitsjahre für den Hessischen Basketballverband als Landestrainer, als ehrenamtlicher Referent für Breitensport im HBV und von 1985 bis 1992 als Mitglied in der Lehr- und Trainerkommission des DBB, sowie von 1994 bis 2000 im Jugendausschuss des DBB. Zu seinen Aufgaben gehörte auch der Beiratsvorsitz im Basketballteilzeitinternat in Langen (1987-1999) und die Mitarbeit in der Arbeitsgruppe Talentförderung von Kultusministerium und Landessportbund (1988-1998). Darüber hinaus fungierte er als Vertreter der Landestrainer in der Landessportkonferenz des Landes Hessen. Auch in Deutschland setzte Friedrich Prinz seine Veröffentlichungs- und Vortragsarbeit fort. Bei seinen Arbeiten (18 Stück), Büchern (3 Stück) und etwa ein Dutzend Vorträgen versuchte er stets, jüngere Trainerinnen und Trainer mit ins Boot zu nehmen oder gar auch Sportfunktionäre einzuspannen, um sie von seinen Erfahrungen profitieren und am Erfolg teilhaben zu lassen. So seien hier aus seinem engeren Umfeld nur Natalie Deetjen, Silke Dietrich, Sandra Kojic, Dieter Brill, und Axel Rüber genannt. Eine enge Zusammenarbeit verbindet Friedrich Prinz auch mit den ehemaligen DBB-Nationaltrainern Lale Lucic und Bernd Röder. Enger Kontakt bestand auch zu DBB-Jugendnationaltrainer Kai Blümel, der Friedrich Prinz als seinen sportlichen Ziehvater bezeichnet. Auch für Svetislav Pesic und Dirk Bauermann war Friedrich Prinz ein interessanter Gesprächspartner.


Entscheidende Förderung durch Friedrich Prinz als Landestrainer erfuhren Andrea Harder, Tini Pohl, Natalie Mattick, Ricarda Kuypers, Stefanie Wegeler, Henrik Rödl und Vladimr Bogojevic. Zum Individualtraining von Andrea Harder fuhr Friedrich Prinz sechs Monate lang jeden Dienstag von Frankfurt nach Kassel. In seiner Zeit (er coachte immer eine, wenn nicht sogar zwei Mannschaften selbst) errang Friedrich Prinz mit seinem Trainerteam und jungen
Talenten aus hessischen Basketballvereinen von 1984 bis 1999 mit den Mädchen beim Bundesjugendlager/Bundesjugendtreffen des DBB 5 Meistertitel, einen Vizemeistertitel und zwei dritte Plätze, mit den Jungen gab es 3 Meistertitel, 3 Vizemeistertitel und 9 dritte Plätze.

 

Ein noch stärkeres Indiz einer hervorragenden Arbeit ist die Tatsache, dass in den Jahren von 1984 bis 1988 alle Auswahlmannschaften des Hessischen Basketballverbandes unter den ersten Vier platziert waren. Im Beisein des damaligen Ministers für Inneres und Sport und heutigen Ministerpräsidenten Volker Bouffier (in Basketballkreisen kurz „unser Sportminister“ genannt, er war selbst sehr erfolgreicher Basketballer beim MTV Gießen) wurde Friedrich Prinz 2006 im Rahmen der Aktion Teamwork des Deutschen Basketball Bundes von DBB-Präsident Ingo Weiss und IOC-Mitglied Professor Walther Tröger ausgezeichnet. Im HBV-Jugendausschuss ist Friedrich Prinz Ehrenmitglied.
Den Beginn des „Ruhestandes“ nutzte Friedrich Prinz sofort zum Start in die Jugendvereinsarbeit bei der TGS Ober-Ramstadt (1999-2003) und dann bis 2007 bei der SGW Weiterstadt.

 

Seine Ausbildungsarbeit auf dem Spielfeld musste er dann stark reduzieren, schließlich ganz einstellen, weil seine Knie ihm Probleme machten. Mit seinen Söhnen Harald und Hanno oder auch allein bereiste er seine ursprüngliche Heimat Rumänien. Im Kreis seiner ehemaligen Studentinnen und Studenten aus den Zeiten als Hochschullehrer in Temeschburg fühlte er sich wohl. Mit den noch lebenden Kolleginnen und Kollegen kam er schnell wieder in einen intensiven Austausch. Alle, die mit Friedrich Prinz zusammengearbeitet haben und mit ihm bis zu seinem Tode den Austausch pflegten, schätzten neben seinen sportlichen Qualifikationen seine Zuverlässigkeit, seine Hilfsbereitschaft, seinen Sinn für Gerechtigkeit, seinen Ernst bei der Arbeit, aber auch so manches erheiternde Späßchen. Er strahlte menschliche Wärme aus und ist vielen ein väterlicher Freund geworden.

 

Lieber Friedrich, wir sind dankbar, dass wir Dich über Jahrzehnte als einen so wertvollen Menschen haben durften. Wir vergessen Dich nie!


Manfred Engel
HBV-Vizepräsident

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